Vitamin B9 (Folsäure) für eine gesunde Zellteilung

Vitamin B9 (Folsäure) für eine gesunde Zellteilung

Folatverbindungen kommen natürlicherweise in pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln vor. Die synthetisch hergestellte Form des Vitamin B9 wird als „Folsäure“ bezeichnet und kommt in der Natur nicht vor. Folsäure wird in Nahrungsergänzungsmitteln und zur Anreicherung von Lebensmitteln verwendet. Die mit der Nahrung aufgenommenen Folate werden im Organismus in die aktive Form, Tetrahydrofolat umgewandelt. Damit ist es an der DNA-Synthese sowie an der Übertragung kleiner Kohlenstoffeinheiten, sogenannter C1 Einheiten beteiligt. Diese spielen in vielen Prozessen der Zellteilung und Zelldifferenzierung eine Rolle. Aufgrund dieser Funktion ist das Vitamin von besonderer Bedeutung für Zellteilungs- und Wachstumsprozesse. Besonders wichtig sind sie in der Schwangerschaft, um die gesunde Entwicklung des Ungeborenen zu unterstützen. Daher wird in der Schwangerschaft meist eine Folsäure-Zufuhr empfohlen. Bei einem Mangel an Vitamin B9 drohen dem Ungeborenen, Neuralrohr Defekte wie der offene Rücken.

Weiterhin unterstützt Folsäure die Wirkung der gesamten B-Vitamine. Die Bioverfügbarkeit von Nahrungsfolaten beträgt rund 50 %, die von synthetischer Folsäure rund 90 %.

Folgende Funktionen erfüllt Vitamin B9 im Körper

  • Folsäure trägt zu einer normalen Blutbildung bei – die Folsäure hat einen entscheidenden Anteil bei der Blutproduktion. Denn häufig teilen sich die blutbildenden Zellen im Knochenmark. Wenn das Vitamin im Körper fehlt, kann eine Blutarmut folgen. Damit die Bildung von Erythrozyten und Leukozyten aus den blutbildenden Stammzellen funktioniert, ist die Folsäure ebenfalls unerlässlich.
  • Folsäure trägt zur normalen Funktion der Zellteilung bei – Folsäure ist wegen seiner Funktion als Coenzym bei der DNA-Synthese für Zellteilungs- und Wachstumsprozesse wichtig. Gerade in der Schwangerschaft kommt es durch das Wachstum des Uterus und Entwicklung der Plazenta zur Zunahme der Zellzahl. Aber auch durch das erhöhte mütterliche Blutvolumen und das embryonale Wachstum kommt es zu einer physiologischen Zellzunahme. Damit ist die Folsäure während der Schwangerschaft für das Zellwachstum, einer normalen Zellteilung und eine optimale Zelldifferenzierung unerlässlich.
  • Folsäure trägt zu einem normalen Homocysteinstoffwechsel bei – die Aminosäure Homocystein kann Blutgefäße schädigen und eine Thrombenbildung begünstigen. Folsäure kann gemeinsam mit den Vitaminen B6 und B12 den Abbau dieser Gefäß-schädigenden Aminosäure beeinflussen, damit sie sich nicht im Blut anstaut. Wenn nicht genügend Vitamin B9 über die Nahrung aufgenommen wird, ist der Abbau von Homocystein gestört. Damit steigt der Homocysteinspiegel im Plasma an. Erhöhte Homocysteinspiegel im Blut werden für die die Entstehung der Arterienverkalkung verantwortlich gemacht. Sie erhöhen das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Das Risiko für Gefäßerkrankungen kann durch eine gute Folsäure Versorgung gesenkt werden.

Referenzwerte von Vitamin B9

Alter Folsäure µg/Tag
Säuglinge 0–4 Monate 60 µg
Kinder 1–7 Jahre 120-140 µg
Jugendliche 13–19 Jahre 300 µg
Erwachsene ab 19 Jahren 300 µg
Schwangere 550 µg
stillende 450 µg

 

Folate kommen natürlicherweise in pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln vor, wobei die tierischen Produkte vom Organismus besser verwertet werden als von pflanzlichen. Gute natürliche Quellen sind grünes Gemüse wie Spinat, gewissen Kohl- und Obstsorten, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte. Besonders reich an Folaten sind Weizenkeime und Sojabohnen.

Folate sind wasserlöslich und daher sehr empfindlich gegenüber Licht und Hitze. So entstehen bei falscher Zubereitung und Lagerung von Lebensmitteln Verluste des Vitamin B9. Die Lebensmittel sollten unbedingt schonend zubereitet werden, um Folat-Verluste möglichst gering zu halten. Neben Lebensmitteln, die reich an Folat sind, tragen Nahrungsergänzungsmittel zu einer guten Versorgung bei. Einige weitere Lebensmittel sind:

Lebensmittel Folsäure pro 100 g
Bäckerhefe 716 µg
Kichererbsen, getrocknet 340 µg
Sojabohnen, getrocknet 250 µg
Weizenkleie 195 µg
Grünkohl 187 µg
Erbsen 159 µg
Spinat 145 µg
Feldsalat 145 µg

 

Ein Folsäure-Mangel kann viele Symptome hervorrufen. Es kommt zu Blässe, Müdigkeit, schneller Erschöpfung, erhöhter Reizbarkeit und Konzentrationsstörungen. Darüber hinaus kann es zu depressiven Verstimmungen, einer erhöhten Infektanfälligkeit sowie einer gesteigerten Blutungsneigung kommen. Typisch sind außerdem eine entzündete, rote Zunge sowie Durchfälle. Außerdem treten aufgrund der Bedeutung dieses Vitamins für die DNA-Synthese Störungen in der Zellteilung auf. Das hat besonders negative Auswirkungen auf die sich schnell teilenden Zellen im Knochenmark und im Verdauungstrakt. In der Folge kann ein klinisch chronischer Folat-Mangel zu einer Blutarmut führen. Weitere Erkrankungen die durch Folat verbessert werden können sind:

Vitamin B9 bei Rheuma

Seit langem ist bekannt, dass Menschen mit rheumatoider Arthritis ein sehr hohes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems zählen in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen. Menschen, die unter einer rheumatoider Arthritis leiden, haben ein um 60 % höheres Risiko für tödlich verlaufende Herzinfarkte und Schlaganfälle. Die Ursachen für Rheuma entstehen durch einen erhöhten Homocysteinspiegel. Das wiederum eine Folge der chronischen Entzündung ist. Homocystein ist ein natürlich vorkommendes Stoffwechselprodukt. Schon leicht erhöhte Homocystein-Werte erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zusätzlich kann das in der Therapie verwendete Rheuma-Medikament Methotrexat, einen bestehenden Folat-Mangel verstärken. Die Folsäure (Folat) ist ein lebenswichtiges B-Vitamin. Es ist im Körper für viele Wachstumsprozesse erforderlich. Folsäure kann den Homocysteinspiegel senken. Ergebnisse einer aktuellen Studie bei Menschen mit rheumatoider Arthritis weisen auf eine mögliche Schutzwirkung hoher Folat-Konzentration im Blut hin. Dabei wiesen Patienten mit niedriger Folat-Konzentration im Vergleich zu Patienten mit mittlerer Folat-Konzentration eine um 37 % höhere Gesamtsterblichkeit auf. Somit lässt sich sagen, dass hohe Konzentrationen im Blut bei Patienten mit rheumatoider Arthritis ein niedrigeres Risiko für einen Herz-Kreislauf-Tod haben.

Vitamin B9 bei Osteoporose

Schätzungsweise leiden 6 bis 7 Millionen Menschen in Deutschland an Osteoporose, eine fortschreitende Erkrankung des Skelettsystems. Diese ist gekennzeichnet durch eine niedrige Knochenmasse, eine Störung des Knochenaufbaus und einer erhöhten Knochenbrüchigkeit. Um einer Osteoporose vorzubeugen, sollte bei der Ernährung auf eine gesunde, Calciumreiche Ernährung mit Milch und Milchprodukten geachtete werden. Auch viel frisches Obst und Gemüse, regelmäßige Bewegung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Darüber hinaus haben Mikronährstoffe einen Einfluss auf die Knochengesundheit. So sorgen B-Vitamine für niedrige Homocystein-Blutspiegel und Vitamin D3 schleust das Calcium in die Knochen. Menschen mit einem erhöhten Homocystein-Blutspiegel haben ein höheres Risiko für Hüft- und Oberschenkelhalsbrüche. Das liegt daran, dass hohe Homocystein-Werte den Aufbau der Knochenmatrix empfindlich beeinflussen. Das führt zu einem Abbau der Knochen und einer insgesamt verminderten Knochendichte. Die B-Vitamine B9, B9 und B12 können das Zellgift Homocystein problemlos in nützliche Aminosäuren umwandeln. Durch Gabe dieser drei B-Vitamine kann die Struktur und die Festigkeit der Knochen wieder deutlich verbessern lassen. Weiterhin sollte bei Osteoporose neben den B-Vitaminen, auf die Vitamine D, Vitamin K, und Vitamin C geachtet werden.